Anscheinsbeweis

Der Anscheinsbeweis wird im Zivilrecht als eine Methode der mittelbaren Beweisführung genutzt und spielt speziell im Verkehrsrecht eine tragende Rolle. Bei der Anwendung des Anscheinsbeweises, der auch Prima-facie-Beweis genannt wird, wird davon ausgegangen, dass es typische Geschehensabläufe gibt, aus deren Ergebnis man den Hergang des Ereignisses herleiten kann. Insbesondere bei Auffahrunfällen, bei denen mangels anderweitiger Zeugen oftmals der genaue Geschehensablauf nicht rekonstruiert werden kann, kommt der Anscheinsbeweis häufig zur Anwendung. In diesen Fällen geht die Rechtsprechung davon aus, dass der Führer des auffahrenden Fahrzeugs die im Verkehr erforderliche Sorgfalt missachtet hat und für die Schäden in vollem Umfang haftet. Ein solcher Prima-facie-Beweis kann durch den vermeintlichen Schädiger erschüttert werden. Dieser muss dann darlegen, dass es sich um einen atypischen Geschehensablauf gehandelt hat. Wurde der Anscheinsbeweis erfolgreich erschüttert, muss die andere Partei wiederum das Gegenteil vollumfänglich beweisen.

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